Sommer Blog 2015 von Captain Jérome
Und wieder ist es Sommer. Im Spannungsfeld zwischen einer irrlichternden Weltgemeinschaft ohne eine erkennbare neue internationale Ordnung und dem privaten Rückzug des noch immer privilegierten westlichen Individuums in mühsam dem Leben abgetrotzte Zeit- und Urlaubsräume, bemerkt man, am Urlaubsort angekommen, plötzlich einen unliebsamen Gast: Das eigene Ich. „Ich“ ist noch immer da und nervt die Seele selbst im 5-Sterne Hotel und auf der Südseeinsel mit der ewigen Fragerei: „Was machen wir jetzt?“

Die Antwort der Seele – die vergleichbar dem lautlosen Kräuseln einer friedlichen Wasserfläche bei der zärtlichen Berührung durch einen Hauch von Wind still und leise ist – hören wir nicht.

Was wir jetzt im Urlaub, der einzigen zweckfreien Zeit des Jahres machen sollen? Nichts: Die Flucht vor den eigenen vergessenen seelischen Bedürfnissen beenden, die Kampfhandlungen mit den Egos der Mitmenschen einstellen und mit der Unterdrückung des eigenen Gefühlslebens aufhören: „Nichts mehr wollen wollen.“ Das bedeutet: Nicht mehr ins „Machen“ vor uns selber fliehen, wieder Abstand von den Rollenspielen auf der Bühne der Welt finden, „Leere“ als Quelle neuer kreativer Impulse aushalten, sich vom „Tun“ ins „Sein“ fallen lassen, Einfach SEIN – EINFACH sein und „Urlaub vom Ich“ geschehen lassen. Zeit für ein Gedicht:

Meer

Wenn man ans Meer kommt
soll man zu schweigen beginnen
bei den letzten Grashalmen
soll man den Faden verlieren

und den Salzschaum
und das Scharfe Zischen des Windes
einatmen
und ausatmen
und wieder einatmen

 

wenn man den Sand sägen hört
und das Schlurfen der kleinen Steine
in langen Wellen
soll man aufhören zu sollen
und nichts mehr wollen wollen
nur Meer
nur Meer,

Erich Fried

 

Das Meer des Alles durchdringenden allerhöchsten Seins in uns wird von den Mystikern und Erleuchteten aller Zeiten und Kulturen übereinstimmend auch als „göttliche Liebe“ bezeichnet. Wer von der GEGENWART dieses Meeres berührt werden möchte, muss bereit sein still zu sein und den Narzissmus der ständigen Ego – Selbstreflexion im „Gedanken-Karussell“ des eigenen Geistes, aber eben auch im Internet und den lärmenden häufig „asozialen“ Netzwerken eine Zeitlang aufzugeben.

Als ich mich vor vielen Jahren einmal in Ruhe und ausführlich mit Dr. E. und R. Lindwall, den Begründern der Releasing – Arbeit, über das Thema „Ego“ ausgetauscht habe, gaben sie mir einen bemerkenswerten Satz mit auf den Weg: „Eine Kurzdefinition von Ego ist: Alles was das Ich tut und lässt um Aufmerksamkeit zu generieren“

In einer Zeit, in der Millionen von Menschen möglichst viele „Likes“ und „Klicks“ im Internet sammeln, ist es fraglich, ob diese Aussage der Lindwalls überhaupt noch gehört und verstanden werden kann, da viele Menschen mittlerweile so sehr in ihren virtuellen Identitäten aufgehen, dass Ihnen völlig der ABSTAND zum eigenen Ich verloren gegangen ist. Wohlmöglich würden sie das obige Zitat für die schrullige Artikulierung von Außerirdischen halten, deren Sprache sie leider nicht verstehen.

Vor dem empirischen Hintergrund jahrzehntelanger Releasing – Erfahrung lässt sich jedenfalls sagen: Zumindest die im zeitlichen Umfang nicht mehr zu kontrollierende Nutzung von Internet, Handys, Smart – Watches und anderen Gadgets zwecks narzisstischer Selbstbespiegelung und der Generierung von Aufmerksamkeit ist in vielen Fällen eine Flucht vor dem eigenen Selbst, wenn nicht gar eine Sucht. Was aber ist der Grund dafür, dass wir glauben auch noch während der Urlaubszeit in vielfältige Aktivitäten vor uns selbst fliehen zu müssen? Warum lassen wir uns nicht ein auf den „Ozean des Seins“ in unserem Innersten?

Wir haben ein gebrochenes Verhältnis zu uns selbst – zu unserer eigenen Seele. Wenn nicht gebrochen, so ist das Herz – und damit unser Vermögen zu fühlen und zu empfinden – verschlossen und blockiert. Und wer will im Urlaub schon verdrängte und unterdrückte schmerzhafte Gefühle fühlen? Dabei ist gerade die Urlaubszeit eine ganz konkrete und realistische Möglichkeit, um die „Software“ der alten Haltungen, Einstellungen, daraus resultierender Selbst- und Weltbilder und Gedanken und Gefühle zu überprüfen und gegebenenfalls loslassen und ein mitfühlendes, weises und liebendes Bewusstsein entwickeln zu können.

Aber beides zugleich – so weitermachen wie bisher und gleichzeitig im inneren Frieden und grundlos glücklich sein zu wollen – das geht in der Regel eben gar nicht. Cool und gechillt sein wollen und gleichzeitig unliebsame Gefühle unterdrücken ist ziemlich anstrengend und führt auch in jungen Jahren zu unschönen Falten im Gesicht. Aber Fotos vom eigenen Ich beim Loslassen seelischer Verletzungen, Schwächen und Schatten machen sich auf Facebook halt auch nicht wirklich gut. Da muss ich mich schon entscheiden: Will ich lieber in der Öffentlichkeit als „smart“, „sexy“ und „erfolgreich“ angesehen werden, oder mich still und allein in meiner Seele öffnen, loslassen und am endlosen „Meer des Seins“ sein? Schein und Sein können jedenfalls nicht gleichzeitig an ein und demselben Ort existieren.

Was wir zum Loslassen brauchen, ist also die Bereitschaft auch LOSLASSEN zu wollen! Urlaub ist die ideale Zeit sich an die Endlichkeit von Körper, Ego und Existenz zu erinnern und mit dem Loslassen zu beginnen. Im Urlaub ist es Zeit nichts zu tun und uns dem inneren Ruf nach dem Meer des Seins anzuvertrauen.

Mit den folgenden Loslass-Sätzen zu Eurer Urlaubs – Inspiration grüße ich alle Leser dieses

Jahreszeiten – Blogs und freue mich über Rückmeldungen an malangholf@t-online.de:

  1. „Ich lasse los den Schmerz, als mir in früheren Zeiten das Herz gebrochen ist und ich öffne mein Herz für Heilung und für das Leben.“
  2. „Ich lasse los mich für die Herzlosigkeit meiner früheren Taten selbst anzuklagen und zu bestrafen.“ (Von Dr. Lindwall aus: „Releasing – Freisein durch Loslassen“ www.sheema.de)
  1. „Ich lasse los meine Entscheidungen aus der Kindheit mein Herz zu verschließen und keine Gefühle mehr zu zeigen um mich vor Ungerechtigkeit und neuen Verletzungen zu schützen.“
  1. „Ich lasse los meine Entscheidungen meine Seele aus dem Körper zurück zu ziehen und meine Lebendigkeit und meine Gefühle nur noch von Außen mit meinem Willen durch die linke Gehirnhälfte und durch meinen Intellekt zu unterdrücken, um die Erwartungen meiner Umwelt an ein „funktionierendes Kind“ zu erfüllen.“
  1. „Ich lasse los meinen Widerstand als ein liebendes geistiges Wesen in einem physischen Körper und in einer seelenlosen gesellschaftlichen Realität zu sein.“
  1. „Ich bin kein Opfer und kein Täter. Das sind Erfahrungen aus meiner Vergangenheit aus denen ich gelernt habe. Es ist Zeit meinem wahren Selbst zu vertrauen. Ich wähle „Liebe zu allem Lebendigen“ um mich zu besinnen, in meiner Mitte zu zentrieren und zu regenerieren.“

(Quelle Sätze 3-6: M.Langholf, u.a. aus: „Pfad des lebendigen Geistes-Loslassen“ www.sheema.de)

 

Viel Spaß beim sommerlichen Chillen, Ihr und Euer

 

Markus Langholf alias „Captain Jérome“,               B(L)ogbucheintrag 15. Juli 2015

 

 

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